Göttliche Komödie - 4 Jahre von der Idee bis zum Bild

Um das Jahr 1500 entstanden, zeigt das Triptychon links den Garten Eden mit der Erschaffung Evas, in der Mitte den Garten der Lüste, nach heutiger Meinung der Kunsthistoriker das utopische Traumbild eines Liebesparadieses, und rechts die Musikalische Hölle, in denen wehrlose Menschen auf alle erdenkliche Weise, meist unter Zuhilfenahme von Musikinstrumenten,gemartert werden. Ungezählte Deutungsversuche dieses Gemäldes füllen etliche Meter in Kunstbibliotheken.
Wie kann man sich bildlich einer solchen Schöpfung nähern, ohne das im Prado in Madrid ausgestellte Original plump zu zitieren? Vier Jahre Überlegungen und unzählige Zwischenstadien waren nötig, bis meine Hommage an dieses geniale Gemälde fertiggestellt war:
Göttliche Komödie

Einige Anmerkungen zu Konzeption und Bildaufbau:
Auch die Göttliche Komödie hat einen dreigeteilten Aufbau, der allerdings vertikal orientiert ist; zudem gehen die einzelnen, mit 80 x 80 cm Größe gleich dimensionierten Bereiche ohne erkennbare Trennung ineinander über.Als bildlicher Rahmen dient eine Landschaft, die es, obwohl fotorealistisch, in dieser Form nirgendwo auf der Erde gibt.Die Puzzleteile wurden an verschiedenen Orten der Welt zusammengeklaubt und zu einer neuen Einheit zusammengesetzt. In loser Anlehnung an das Boschsche Thema zeigen die drei Teile - von oben nach unten:
- Das Paradies
- Das Gericht
- Die Hölle
Das Paradies

Eine Wüstenlandschaft wird - recht paradiesisch - bevölkert von Tieren der verschiedensten Arten, die in Eintracht miteinander leben. Der Berglöwe kann sich der Schafherde nähern, ohne dass diese Angst um ihr Leben haben muss. Als Lebensquell dient - unüblich für die Wüste - ein See. Im Vordergrund links Adam und Eva, allerdings nicht in realer Gestalt, sondern eingebettet in ein Denkmal, vor dem sich die Schlange, die Verführerin, räkelt. Ein Bild der (scheinbaren) Harmonie.
Das Gericht

Die Erde reißt auf und gibt den Blick frei auf eine Höhlenlandschaft. Im Hintergrund entleert sich der See des Paradieses in einem Wasserfall. Zugvögel künden die Veränderung an. Das Zentrum des Bildes nimmt eine überdimensionale Apothekerwaage ein, begleitet von anderen Utensilien der Alchimie. Auf der rechten Waagschale wird ein menschliches Paar aufgewogen - gegen ein riesiges Buch auf dem linken Pendant - ein Gesetzbuch? ein Hinweis auf die Buchreligionen? Vor der Waage steht ein metallener Wächter als Hüter der Ordnung.
Die Hölle

Wie bei Bosch ist dieser Bereich am detailliertesten gestaltet, allerdings, ohne die Martern allzu blutrünstig darzustellen. Ein dunkles Höhlensystem bildet die Kulisse, Industriedetails wie Stahlbrücken oder der Eingang zu einem Bergbauschacht die Ergänzung. Urteilsschriften sind an den Wänden verteilt. Zügel- aber auch Hilflosigkeit bestimmt die Szene, es herrscht Anarchie.
Notiz: