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Göttliche Komödie - 4 Jahre von der Idee bis zum Bild
Geschrieben von admin am Samstag, 03. April 2010

Es gibt Bilder, die lassen einen ein Leben lang nicht los. Für mich war dies der Garten der Lüste von Hieronymus Bosch:
Hieronymus Bosch: Garten der Lüste
Um das Jahr 1500 entstanden, zeigt das Triptychon links den Garten Eden mit der Erschaffung Evas, in der Mitte den Garten der Lüste, nach heutiger Meinung der Kunsthistoriker das utopische Traumbild eines Liebesparadieses, und rechts die Musikalische Hölle, in denen wehrlose Menschen auf alle erdenkliche Weise, meist unter Zuhilfenahme von Musikinstrumenten,gemartert werden. Ungezählte Deutungsversuche dieses Gemäldes füllen etliche Meter in Kunstbibliotheken.



Wie kann man sich bildlich einer solchen Schöpfung nähern, ohne das im Prado in Madrid ausgestellte Original plump zu zitieren? Vier Jahre Überlegungen und unzählige Zwischenstadien waren nötig, bis meine Hommage an dieses geniale Gemälde fertiggestellt war:

Göttliche Komödie


Einige Anmerkungen zu Konzeption und Bildaufbau:

Auch die Göttliche Komödie hat einen dreigeteilten Aufbau, der allerdings vertikal orientiert ist; zudem gehen die einzelnen, mit 80 x 80 cm Größe gleich dimensionierten Bereiche ohne erkennbare Trennung ineinander über.
Als bildlicher Rahmen dient eine Landschaft, die es, obwohl fotorealistisch, in dieser Form nirgendwo auf der Erde gibt.Die Puzzleteile wurden an verschiedenen Orten der Welt zusammengeklaubt und zu einer neuen Einheit zusammengesetzt. In loser Anlehnung an das Boschsche Thema zeigen die drei Teile - von oben nach unten:
  • Das Paradies
  • Das Gericht
  • Die Hölle
Ein genauerer Blick auf die einzelnen Bereiche:

Das Paradies


Eine Wüstenlandschaft wird - recht paradiesisch - bevölkert von Tieren der verschiedensten Arten, die in Eintracht miteinander leben. Der Berglöwe kann sich der Schafherde nähern, ohne dass diese Angst um ihr Leben haben muss. Als Lebensquell dient - unüblich für die Wüste - ein See. Im Vordergrund links Adam und Eva, allerdings nicht in realer Gestalt, sondern eingebettet in ein Denkmal, vor dem sich die Schlange, die Verführerin, räkelt. Ein Bild der (scheinbaren) Harmonie.

Das Gericht


Die Erde reißt auf und gibt den Blick frei auf eine Höhlenlandschaft. Im Hintergrund entleert sich der See des Paradieses in einem Wasserfall. Zugvögel künden die Veränderung an. Das Zentrum des Bildes nimmt eine überdimensionale Apothekerwaage ein, begleitet von anderen Utensilien der Alchimie. Auf der rechten Waagschale wird ein menschliches Paar aufgewogen - gegen ein riesiges Buch auf dem linken Pendant - ein Gesetzbuch? ein Hinweis auf die Buchreligionen? Vor der Waage steht ein metallener Wächter als Hüter der Ordnung.

Die Hölle


Wie bei Bosch ist dieser Bereich am detailliertesten gestaltet, allerdings, ohne die Martern allzu blutrünstig darzustellen. Ein dunkles Höhlensystem bildet die Kulisse,  Industriedetails wie Stahlbrücken oder der Eingang zu einem Bergbauschacht die Ergänzung. Urteilsschriften sind an den Wänden verteilt. Zügel- aber auch Hilflosigkeit bestimmt die Szene, es herrscht Anarchie.

Die Göttliche, die Menschliche und die Ewige Komödie, Ausstellung in Schwanfeld 2011


Notiz:

Der Titel

Göttliche Komödie erinnert an das Hauptwerk des des mittelalterlichen italienischen Dichters Dante Alighieri (1265-1321), Divina Commedia. In Ich- Form beschreibt der Dichter seine Wanderung durch das Reich der Toten. Den Anfang bildet die Hölle (Inferno), dann gelangt er in das Läuterungswerk (Purgatorio), wo er sich langsam dem Lichte der Erlösung nähert.

Ausstellungen

2011: Gutmannhaus, Schwanfeld
2011 - 2012:
Kunstforum Würzburg, Schiestlstraße 5, Würzburg
2012: 5th International Art Biennale, Beijing, China

Göttliche Komödie - 4 Jahre von der Idee bis zum Bild

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  1. jocosiahanna schreibt am 05.04.2010 22:52

    Ich mach mir ein Bild vom Bild.


    Ein Plädoyer für den Genuss der subjektiven Bildbetrachtung am Beispiel des Bildes „Göttliche Komödie“ von WolfTek


    von


    Johanna Renate Wöhlke



    „Dieses Bild gefällt mir“ oder „Dieses Bild gefällt mir nicht“, das sind  qualifizierende Aussagen, aber welche Bedeutung haben sie im Verhältnis zu anderen und der Möglichkeit, sich an meiner Aussage zu orientieren?  Ich behaupte keine, wenn ich nicht klarmachen kann, warum.


    Ohne klarmachen zu können, wie man daran geht, sich ein Bild zu erobern, was aus dem eigenen Wissen, Fühlen und Werten in diese Geschichte einfließt, kann man zwar ein Bild für sich persönlich einordnen, aber niemals Begriffe wie Objektivität oder gar Bewertungen inhaltlich füllen und abgeben. Darin ist der Bogen zu einer vergleichbaren politischen Forderung angelegt, die lauten würde: Nenne mir deine Interessen und ich weiß, warum du etwas tust!


    Das Faszinierende bei Bildern ist, dass sie immer verschiedene Deutungen und Bedeutungen auf sich ziehen und haben, zum Beispiel die ihrer Schöpfer, die der Kritiker, die der Betrachter, die der Käufer. Gibt es mehr? Ein Künstler veröffentlicht sein Werk und von diesem Augenblick an ist er nicht mehr allein „Herr des Geschehens“. Dieser lebendige Prozess im Umgang mit Kunst ist Kunstleben, ist leben mit Kunst, ist Umgang mit der Vielfalt des Menschlichen.


    Ich fühle mich immer zuerst als Betrachterin und setze mich bewusst zuerst der Magie eines Bildes aus. Sicher, mich interessiert, was der Schöpfer eines Bildes an Ideen in seinem Werk umgesetzt hat. Das wird mir vieles erhellen und erklären, was mir auf den ersten Blick fremd geblieben ist. Wenn ich es will, werde ich gerade daraus einen besonderen Genuss des Werkes empfinden, denn ich kann nachvollziehen und verstehen, was wirklich gemeint ist, ein Fest für Analyse und Kunstgeschichte daraus machen, vergleichen, einordnen, werten -  all das.


    Aber – ich möchte mir immer auch die Freiheit nehmen, meine ganz eigenen Gedanken und Gefühle zu entwickeln, eine eigene Geschichte mit einem Bild zu haben: meine Liebesgeschichte und meine Verachtungsgeschichte, meine Geschichte. Die kann durchaus ein Eigenleben neben dem Bild entwickeln und sich plötzlich in einem Bedeutungsfeld wiederfinden, das sich  auf den ersten Blick nur mir erschließt. Als lasse es neugierig auf mich zukommen, schaue und staune vielleicht und verbinde damit keine Wertung!


    Anhand des Bildes „Göttliche Komödie“ von WolfTek möchte ich gerne einige Gedanken dazu notieren. WolfTek ist Kunstfotograf und „Fotocouturist“, ein Meister der digitalen Bildbearbeitung. Tausende real aufgenommener Bildteilchen sind in der „Göttlichen Komödie“ verarbeitet zu einem digitalen Kunstwerk, in einem Arbeitsprozess über vier Jahre hinweg.


    WolfTek ordnet sein Bild selbst ein und macht inhaltlich klar, wo er seine Schwerpunkte sieht: Die „Göttliche Komödie“ soll an das Hauptwerk des mittelalterlichen italienischen Dichters Dante Alighieri erinnern, an die „Divina Commedia“, eben die „Göttliche Komödie“, eines der größten Werke der Weltliteratur. Der Dichter nimmt die Jenseitsvisionen des Mittelalters auf und schildert in der Ichform eine Reise durch drei Reiche der gedachten jenseitigen Welt: die Hölle, den Läuterungsbereich Purgatorio und das himmlische Paradies, die Freuden der Seligkeit im Angesicht Gottes.


    Die Aufteilung des vertikal gestalteten Bildes „Göttliche Komödie“ knüpft an diese literarischen Zonen an, von unten gesehen die Hölle, das Gericht, das Paradies. Außerdem ist das Werk eine Hommage an das Hieronymus Bosch Gemälde „ Garten der Lüste“, können wir der Website von WolfTek entnehmen: www.wolftek.de  Das Original hängt im „Prado“ in Madrid und ist in seiner ebenfalls dreiteiligen Ausführung horizontal angelegt.


    Die Möglichkeit, dieses Werk eines Kunstfotografen und eines Meisters 

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